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Der Pizzakarton

Der Pizzakarton

Der Pizzakarton

Eine Hommage

Die Herausforderung: Man nehme eine runde, flache Speise, die nicht nur heiß ist, sondern auch noch dampft und Fett verliert. Nicht nur das, ihre Oberfläche ist nass und klebrig, die Unterseite trocken und knusprig. Das Ganze soll unbeschadet von einem Ort zu einem anderen transportiert werden. Und das tausendfach hintereinander, weswegen die Lösung günstig und in Massen produzierbar sein muss. Das schafft nur der Pizzakarton!

Ein langer Weg zur Pappschachtel

Die gefaltete Pappe, in der unsere Pizza geliefert wird, mag unscheinbar wirken. Dabei steckt eine lange Geschichte voller Missgeschicke und Fehlkonstruktionen dahinter. Denn die Pizza ist eine anspruchsvolle Maid, sie will heiß bleiben, dafür muss die Verpackung dicht und isolierend konstruiert sein. Sie will aber auch knusprig sein, weswegen heißer Wasserdampf aus dem Hülle entweichen können muss. Der Pizza-Transport – eine Wissenschaft für sich.

Die ersten Pizza-Transportverpackungen gab es in Neapel bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Damals bestanden sie aus Zinn oder Kupfer, sie waren rund mit Belüftungsschlitzen und Fächern, die die Pizzen voneinander getrennt hielten. Damit schickten die Pizzabäcker ihre Gehilfen auf die Straße, um die Pizzen ans Volk zu verkaufen.

Für die Zwecke der neapolitanischen Pizzabäcker war diese Lösung ideal – für den modernen Lieferservice verständlicherweise taugte sie nicht. In den USA, wo die Pizza in den 1940ern immer beliebter wurde und die wachsende Pizza-Fangemeinde zu Hause beliefert werden wollte, musste eine andere Lösung her.

Dort verwendete man zunächst normale Kartons. Eine schlechte Idee, denn die heißen Pizzen verwandelten diese durch Dampf und Öl in nasse, aufgeweichte Papierlappen. Eine weitere Variante war, Pizzen auf einem Wellkarton in einer Tüte zu transportieren. Bei dieser Konstruktion konnte der heiße Dampf teilweise entweichen und gleichzeitig blieb die Pizza warm. Allerdings konnte so unmöglich mehr als eine Pizza geliefert werden, da die Oberseite ungeschützt war.

Der Durchbruch in der Pizzaschachteltechnologie

Die Nachfrage nach Einweg-Transportbehältern für Lebensmittel stieg in den Nachkriegsjahren, die Innovationen in der Papierproduktion zogen mit. Daher tummelten sich viele Erfindungen auf dem Markt, die teilweise sehr ähnlich waren.

Domino’s Pizza, einer der heutigen Pizza-Weltmarktführer, entwickelte in den 1960ern die Wellpappschachtel, die einen Durchbruch in der Pizzatechnologie bedeutete. Die Kartons waren stapelbar, hatten Lüftungsschlitze, kamen ohne Klebstoff aus und konnten platzsparend gefaltet werden. Ob Domino’s Pizza die ersten waren, ist unklar. Ein Patent meldeten sie jedenfalls nie an.

Kleine Innovationen mit großem Effekt

Bis heute nutzen die meisten Pizzakarton-Hersteller diese fast sechzig Jahre alte Technologie der Wellpappschachtel. Was nicht bedeutet, dass es keine Innovationen gab. Da wäre zum Beispiel dieses kleine Kunststoffstativ, das an einen Mini-Tisch erinnert, was in der Mitte der Pizza den Kartondeckel vom Belag fernhält. Es hat keinen offiziellen Namen, doch vor allem in den USA weiß jeder, was gemeint ist.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Pizza-Lieferung ist die Entwicklung von Thermo-Transporthüllen. Die Kombination aus dampfend und knusprig stellte nach wie vor ein unlösbares Problem für die Pizzakarton-Entwickler dar. Wie schafft man es, dass die Pizza warm bleibt, ohne dass der Wasserdampf den Boden aufweicht? Die Lösung ist eigentlich simpel: Nicht der Karton muss sich verändern, sondern die Art des Lieferns! Der Pizzabote wird mit einem Isolierbehälter aus Styropor oder anderen Materialien ausgestattet. So werden beide Funktionen voneinander getrennt, der Pizzakarton saugt den Dampf auf und erhält die Knusprigkeit, die Isolierhülle darum hält die Pizza warm.

Einer Herausforderung muss sich der Pizzakarton allerdings noch stellen: Der Nachhaltigkeit. Einmal benutzt, wird er auch schon wieder entsorgt. Er wird fast ausschließlich aus frischen Papierfasern hergestellt. Recyclingpapier ist wegen möglicher Verunreinigungen nicht für die Verwendung von Verpackungsmaterialien für Lebensmittel zugelassen. Erste Ansätze gibt es hier und da schon, aber eine massentaugliche Lösung hat sich noch nicht durchgesetzt.

Wohin mit gebrauchten Pizzakartons?

Nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Die Käsereste und das Öl, das der Karton aufgesaugt hat, sorgen bei der Aufbereitung des Altpapiers für Probleme. Mit Aluminium beschichtete Kartons können in die gelbe Tonne.

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