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Pizza Hawaii - eine großartige Erfolgsgeschichte

Pizza Hawaii - eine großartige Erfolgsgeschichte

Nur wenige Pizzavarianten schaffen es über Jahrzehnte, ihre Beliebtheit kontinuirlich zu steigern und stetig auf jeder guten Speisekarte einer Pizzeria oder eines Pizza Lieferdienstes zu bestehen. Die Pizza Hawaii ist eine davon, als Speise beliebt und gehasst gleichermaßen, ist ihr Erfinder im Juni 2017 verstorben.

Die Erfolgsgeschichte der Pizza Hawaii

Wir alle kennen und lieben herzhafte Pizzen, daran ist nichts Ungewöhnliches. Nur wenn es um die Kombination zwischen herzhaft und süß geht, gibt es keine Einigkeit mehr unter Pizza-Liebhabern; die einen lieben sie, die anderen können sie partout nicht ausstehen. So, wie der isländische Präsident Gudni Th. Jóhannesson, der seine Abneigung gegen Pizza Hawaii noch im Februar 2017 öffentlich kundtat. Laut eigener Angaben, würde er Pizza Hawaii am liebsten verbieten, wenn er die Befugnis dazu hätte. Doch die trendy Variante der süßen Pizza findet längst nicht nur in Deutschland begeisterte Anhänger. Weltweit gehört Pizza Hawaii schon zu den bekannten Klassikern. Nun starb der Erfinder der Pizza Hawaii, Sam Panopoulos, am Donnerstag, den 8. Juni 2017 mit 83 Jahren, doch sein Klassiker lebt weiter.

Der Weg der Pizza von Italien nach Kanada

Sam Panopoulos, geboren im Jahre 1943 in Griechenland, wanderte im Jahre 1954, im Alter von 11 Jahren nach Kanada aus. Auf der Schifffahrt von Griechenland nach Kanada machte das Schiff einen kurzen Halt in der italienischen Stadt Neapel. Dort sah er erstmalig die klassische Variante der heutigen Pizza. Ein Freund und er entdeckten die damalige Pizza an einem Lebensmittelstand. Dort wurde die Pizza zunächst noch als eine Art längliches Brötchen mit Sauce angeboten. Vermutlich konnte die Pizza auf diese Weise auch gut von unterwegs aus verspeist werden. In einem Interview sagte Panopoulos einmal: "Pizza war zu dem Zeitpunkt überhaupt noch nicht bekannt, auch in Toronto wusste man noch nichts über die Pizza.”

Der öffentlichen Masse in Kanada, selbst in der Hauptstadt Toronto, war Pizza in der Mitte der 50-er Jahre noch völlig fremd. Doch zur gleichen Zeit begann es in den Vereinigten Staaten so langsam mit der bahnbrechenden Erfolgsgeschichte der Pizza. “Der einzige Ort, an dem Pizza erhältlich war, war Detroit.”, erinnerte sich Panapoulos. Schon bald wurde Pizza auch in Windsor, einer Stadt, die direkt über dem Fluss von Detroit liegt, eingeführt. In Kanada angekommen besuchte Panopoulos einige Jahre später, im Jahre 1958, einen Freund in Windsor. Die beiden Freunde gingen auswärts essen und bestellten eine Pizza, welche Sam Panopoulos zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mundete.

Früher war alles anders, aber längst nicht besser!

Kein Wunder, dass die Pizza Panapoulos nicht schmeckte: die Pilze waren nicht frisch, sondern aus Dosen, der Teig vorgefertigt und die Öfen, die zum Backen der Pizzen benutzt wurden, waren lediglich kleine elektrische Öfen- nichts anderes als gewöhnliche Backöfen privater Haushalte! Bei den neidrigen Temperaturen von unter 300 Grad, erhielten die Pizzen auch nicht ihre heute so beliebten, krossen Pizza-Krusten. Alsbald eröffnete Panapoulos mit seinen zwei Brüdern, Nikitas und Elias, einige Restaurants in Chatham, einer Stadt in der Provinz Ontario, welche nahe bei Toronto liegt.

Eines ihrer Speiselokale nannte sich das “Panopoulos's Diner”. Hier wurden die Speisen gekocht, die in den 1960er Jahren für gewöhnlich gespeist wurden: Bestellt wurde Pfannkuchen zum Frühstück, zum Mittagessen gab es Burger mit Pommes und zum Abendessen wurde Leber mit Zwiebeln serviert. Aber Panapoulos war auch bestrebt darin, neue Gerichte einzuführen, die vermehrt Kunden anlocken könnten. Er überlegte welche Gerichte gerne bestellt wurden und ließ sich davon zu einem neuen Gericht inspirieren, was nicht nur damals für Gesprächsstoff sorgte: seine herzhaft-süße Schinken-Ananas-Pizza!

Panapoulos´ Sinn für Food-Trends machte ihn schnell erfolgreich

Als Panapoulos feststellte, dass Pizza und chinesisches Essen in seiner Umgebung sehr schnell an Popularität gewannen, stellte er einen asiatischen Koch ein und bot seinen Kunden von da an chinesisches Essen. Er kaufte zudem einen kleinen Ofen, lernte mit seinen Brüdern selber Pizza backen und setzte schließlich Pizza zusätzlich zu den amerikanischen Gerichten auf die Speisekarte. Einer seiner gewöhnlichen Pizza-Kreation war eine Pizza mit Sardellen und Oliven; solche Beläge wurden auch von den wenigen anderen Pizza-Pionieren in Kanada zur gleichen Zeit verwendet.

Nur wenige Jahre nach seinem Besuch in Windsor, im Jahre 1962, soll er schließlich in einem seiner Restaurants, dem Satellite Restaurant, in der Innenstadt von Chatham, auf die neuartige und für damalige Verhältnisse gar absurde Idee gekommen sein und seine berühmt-berüchtigte Schinken-Ananas-Pizza kreiert haben.

Doch wie entstand die ungewöhnliche Idee des süß-sauren Klassikers?

Panapoulos merkte, dass die chinesischen Gerichte gut ankamen und er spürte, dass die Leute sich allgemein auf die Kombination von süßen und herzhaften Aromen einlassen würden. Für seine neue Kreation schien er sich von der süß-sauren Sauce in Verbindung mit Fleisch inspirieren zu lassen. Beim Experimentieren mit verschiedenen Zutaten soll Sam Panopoulos seinerzeit wohl eine Dose mit Ananas im Regal entdeckt haben, die er ebenfalls ausprobieren wollte. Für seine Pizza Hawaii verwendete er schließlich Pizza-übliche-Zutaten wie Tomatensauce und Käse und wählte gekochten Schinken als Belag, zu denen er die Dosen-Ananas, in Stücken zerkleinert, hinzufügte. „Wir haben sie einfach drauf gelegt, zum Spaß, um zu sehen, wie das schmeckt“, sagte er in einem Interview.

Panapoulos erinnerte sich, dass die Leute sagten " Du bist verrückt, das zu tun ", denn süßes und salziges zu mischen, galt in der Zeit als undenkbar. Zu der Zeit gab es nicht einmal Pizza-Verpackungen für die Mitnahme von Pizzen. In den ersten Jahren schnitt Panapoulos noch Kreise aus Kartons aus, die er von einem Möbelverkäufer von nebenan erhielt. Die Pizza legte er auf die Oberseite des Kartons und wickelte das Ganze dann in Aluminiumfolie ein. Zu Beginn mochte wohl auch niemand die neue Pizza wirklich, erzählt er weiter, aber dann wurden alle verrückt danach.

Der Toast-Hawaii ein Vorläufer der Pizza Hawaii?

Was in USA und Kanada populär wurde, hatte auch gute Chancen dafür, es in Deutschland zu werden. Hier zu Lande schien die weniger aufwendige Zubereitung des Toast-Hawaii schon einmal die Gaumen der Bewohner auf den exotischen Geschmack der Pizza Hawaii vorzubereiten. 1955 präsentierte der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod erstmalig seinen Zuschauern im deutschen Fernsehen seine Version des Toast-Hawaii. Der Toast, bestehend aus einer Scheibe Weißbrot, war belegt mit Schinken und Ananas und  wurde mit einer Scheibe Käse überbacken. In Westdeutschland war der überbackene Toast bereits in der Mitte der 50-er Jahre sehr populär. Es liegt nahe, dass diese Zusammensetzung des Toast-Hawaii in irgendeinem Zusammenhang mit der Pizza Hawaii steht, in welchem genau, steht jedoch nicht fest.

Der Staus quo der Pizza Hawaii

Mittlerweile gehört Pizza Hawaii ganz selbstverständlich zu den Pizza-Klassikern wie Pizza  Margherita, Salami und Tonno dazu. Laut einer Studie gehört Pizza Hawaii zu einer der beliebtesten Pizzen der Deutschen und belegt den vierten Platz noch vor Pizza Tonno, welche den fünften Platz besetzt. Einer anderen Studie von focus.de nach, liegt Pizza Hawaii sogar auf dem dritten Platz des Siegertreppchens. Hierbei bevorzugen wohl Pizza-Liebhaber im Süden von Deutschland die Varianten Pizza Funghi (Pilze) und Pizza Prosciutto (Schinken) neben den beiden Margherita und Salami. Im Norden Deutschlands sind Pizza Tonno (Thunfisch) und Pizza Hawaii gefragt. Weltweit soll Pizza Hawaii sich wohl in Australien seiner größten Beliebtheit erfreuen. Dort liegt der Marktanteil der Pizza Hawaii bei ganze 15 % aller verkauften Pizzen.

 

Bildquelle: fotolia 146671236 | Urheber: dubravina

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