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Hoch lebe die Pizza – auch als Kulinarisches Kulturgut?

Hoch lebe die Pizza – auch als Kulinarisches Kulturgut?

Das Lieblingsgericht der Italiener und auch hierzulande die Leibspeise bei Jung und Alt soll zum UNESCO Weltkulturerbe werden. Wenn es nach Alfonso Pecoraro Scanio, dem ehemaligen und aus Neapel stammenden Landwirtschaftsminister Italiens, geht, so ist Pizza weit mehr als nur ein typisch italienisches Gericht. Pizza sei ein Stück nationaler (Kulinarik-) Kultur.

Pizza als UNESCO Weltkulturerbe - geht das?

Aus Sicht der Unterstützer - ja! Daher wurde eine große Kampagne ins Leben gerufen, die nicht nur die heißgeliebte Pizza zum UNESCO- Weltkulturerbe erklären soll, sondern auch dem EU-Einfluss und bürokratischen Direktiven ebenso wie den gigantischen amerikanischen Fast-Food-Ketten den Kampf ansagen und die Pizza in ihrer ursprünglichen Form und Faszination erhalten und schützen soll. Etwa 50.000 Unterschriften konnten bisher gesammelt werden. Ob das bis zu den Millionen Kunden der Pizzalieferanten und Pizza Lieferservices oder gar den Betreibern und Entscheidungsträgern am konsum- und umsatzorientierten Pizzamarkt vordringen wird?

Moderner Pizzamarkt vs. lange Pizzatradition – das italienische Lieblingsgericht im Spannungsfeld der modernen Zeit

Doch nicht nur Pecoraro gehört zu den Unterstützern dieser Idee. Eine Reihe namhafter Künstler, Politiker und Intellektueller finden die Idee gut und würden begrüßen, die Pizza als Weltkulturerbe zu sehen und als solche geschützt zu wissen. Auch Carlo Petrini, der Begründer der international tätigen Slowfood-Bewegung, unterstützt das ambitionierte Bestreben für den Schutz der originalen Pizzakunst. Auf change.org ist es möglich, die Petition zu unterzeichnen und der Pizza-Bewegung seine Stimme zu geben.

Die gesamte Fast-Food Entwicklung hat mit Sicherheit dazu geführt, dass die Herstellung der Pizza industrialisiert wurde, Zutaten verändert wurden und die Pizzaherstellung zugunsten der Tiefkühlpizzen, Discount-Pizzen und der vieltausendfachen Verfügbarkeit in Pizza Lieferservice Systemen verändert wurde. Dass da die ursprüngliche Kunst der Pizzazubereitung, von der Teigherstellung über den Belag bis hin zum standesgemäßen Aufbacken, eine – der im Grunde massentauglichen Pizzaproduktion entsprechende – Wandlung durchgemacht hat, liegt auf der Hand. Doch was fordern die Verfechter der doch speziellen Pizza-Petition überhaupt?

Das Ende der Tiefkühlpizza? Der Pizzamarkt als umstrittenes Geschäftsfeld

Klar, alles was millionenfach reproduziert und hergestellt wird, verändert sich, damit dies überhaupt machbar ist. Doch die Pizza-Bewegung fordert eben genau diese konkrete Definition, und zwar bis ins kleinste Detail, was eine echte Pizza ausmacht. Das heißt, Eigenschaften, Herstellung und natürlich auch die Zutaten sollen genauestens beschrieben werden, damit die Ur-Pizza und der originale Geschmack als solcher erhalten bleiben können. Das verlangen zumindest die Initiatoren der Kampagne. Die enthusiastischen Pizza-Bäcker und -Schützer drängen sogar auf rein italienische Zutaten. Insbesondere fordern sie, dass neben der Herkunft der Zutaten auch auf die Qualität der Tomaten, der Hefe oder auf den frischen und echt italienischen Mozzarella geachtet werden muss. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Pizzafladen bei 450 Grad im Holzofen seine unverkennbare und typische Konsistenz erhält? Einzigartig wird er auf diese Weise gebacken in der Mitte saftig und weich, am Rand braun und kräftig, ja sogar gerne ein bisschen angebrannt.

So lieben ihn Pizzakenner und -freunde. Doch bleibt all das bei der massenhaften Produktion und Auslieferung in den großen Pizza Lieferdiensten und beim schnellen Pizzaservice nicht auf der Strecke? Die Vertreter bzw. Mitglieder des Verbandes neapolitanischer Pizzabäcker sehen das wohl so und sagen: „Der Holzofen ist fundamental und entscheidend!“ Also Klasse statt Masse, Holzofen- statt Tiefkühlpizza… Allein in Italien werden Tag für Tag etwa sieben Millionen Pizzen konsumiert, und etwa 35.000 Pizzerien sorgen im ganzen Land für eine flächendeckende Versorgung mit dem traditionsreichen Pizzafladen. In Italien hängen von diesem Pizza Markt immerhin etwa 250.000 Arbeitsplätze ab – ein somit nicht unerheblicher Wirtschaftszweig in Italien. Neapel ist bereits seit Jahren aktiv und fördert eine Kampagne, die die lokale Pizza-Tradition schützen soll. Die „Pizza Napoletana“ zum Beispiel genießt seit 2010 EU-weiten Schutz…

Vom Fladen der Antike bis hin zum Pizza Lieferservice – die Geschichte der Pizza

Die Geschichte der Pizza ist in erster Linie eine Erfolgsgeschichte. Doch beginnt sie auch in Italien? Der runde Pizzafladen, gebacken und vielfältigst belegt, bedeutet für viele – insbesondere Italiener – die Welt, ja, die Pizza ist aus der europäischen (bzw. fast weltweiten) Esskultur nicht mehr wegzudenken. Wenn man den Forschungsergebnissen der Archäologen Gehör schenkt, so hat die Pizza ihren Ursprung jedoch nicht in Italien, sondern wir verdanken sie – wie so vieles… – anscheinend den alten Griechen bzw. den Etruskern: Um etwa 800 v. Chr. Solle sie als erste auf die Idee gekommen sein, einen Fladen aus Mehl, Salz und Wasser zu belegen und dann auf Steinen am offenen Feuer zu backen. Diese Teigfladen sollen die Bezeichnung „Pita“ bekommen haben, woraus sich dann im Laufe der Zeit der bekannte Name „Pizza“ entwickelt hat. Da die Etrusker um etwa 200 v. Chr. Rom besetzten, kamen die dortigen römischen (italienischen) Einwohner das erste Mal mit „ihrer“ Pizza bzw. der Ur-Pizza in Kontakt.

Doch wie bei vielen Erfolgsgeschichten, verläuft der Beginn der Karriere erst einmal unscheinbar und holprig, denn die Pizza gilt zur damaligen Zeit als einfaches Essen der verarmten Bauern und fristete somit eher ein Schattendasein. Nachdem die Römer ihre direkten und ferneren Nachbarn jedoch nicht nur mit Eroberungsfeldzügen „beglückten“, machte sich auch das damalige Pizzarezept auf die Reise und breitete sich über Europa aus. Um 1520 dann der nächste entscheidende Schritt in Richtung Pizza, so wie wir sie heute kennen… Denn zu dieser Zeit finden die ersten Tomaten aus Südamerika auf dem Seeweg nach Italien und Europa. Hält man die Tomaten aufgrund ihrer Farbe zunächst noch lange für giftig, doch der ärmlichen Situation der Bauern ist es zu verdanken, dass die Bauern aus der Gegend um Neapel aus Not damit beginnen, ihre bis dato eher trockenen Teigfladen mit den exotischen Tomaten zu belegen – wenn die Geschichtsforschung Recht hat, so ist dies endgültig die Geburtsstunde der Pizza so wie auch wir sie heute kennen.

Die Pizza – kein rein kulinarisches Phänomen, sondern ein Teil der (kulinarischen) Kulturgeschichte

Man kann die Italiener, v.a. die um Neapel ansässigen, durchaus als fortschrittlich bezeichnen, denn während die Tomate im restlichen Europa noch länger ihr Dasein als Zierpflanze fristet, tritt sie, zusammen mit der Pizza, deren köstlicher Belag sie nun ist, ihren unaufhaltsamen Siegeszug an. Die Pizza mit Tomaten werde zunächst in Neapel zur lokalen und immer mehr begehrten Spezialität, die ersten Pizzerien entstehen. Noch immer jedoch bleibt das Gericht ein „Arme-Leute- Essen“, die elitäre Oberschicht interessiert sich (noch) nicht für die Pizza.

Das Jahr 1889 stellt einen entscheidenden Wendepunkt dar: Als König Umberto zusammen mit seiner Frau Margharitha in Neapel auf Besuch ist, nimmt die Erfolgsgeschichte seinen filmreifen Lauf. Umberto hatte sehr wohl schon von der beliebten Speise der Armen gehört, allerdings durfte er die leckere, „neue“ Teigspezialität standesgemäß nicht mit den Armen als Adeliger in einer Pizzeria (ver)kosten. Und so kam es, dass der neapolitanische Pizzabäcker Raffaele Esposito damit beauftragt wurde, seiner königlichen Hoheit eine Pizza in den Palast zu bringen.

Raffale Esposito belegt die königliche Pizza mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum – also in den italienischen Nationalfarben – und verleiht ihr den Namen „Margharitha“, die Königin. Die Begeisterung darüber führte dazu, dass von nun an die Pizza auch als für adelige Kreise salonfähig erklärt wurde und dem Siegeszug der Pizza nichts mehr im Wege stand. Übrigens soll das Dankesschreiben des Königs an den glücklichen Pizzabäcker noch heute in der geschichtsträchtigen Pizzeria in Neapel zu finden sein… Ihren endgültigen Durchbruch erlebte die Pizza dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als italienische Auswanderer das Pizzarezept nach ganz Europa und auch über den großen Teich in die USA trugen.

Und da die technische Entwicklung von Gefrier- und Kühlschränken in den 1950er- und 60er-Jahren den Weg in die heimischen vier Wände finden, war die Erfindung der Tiefkühlpizza quasi vorprogrammiert. Das italienisch-amerikanische Brüderpaar Celantano brachte 1957 die erste Tiefkühlpizza auf den amerikanischen Markt: Das Massenphänomen Pizza war damit geboren – und das Ende der Geschichte kennen wir alle: (Fast) jeder, ob jung oder alt, liebt sie – und allein über 2/3 der Deutschen verzehren in der Woche durchschnittlich zumindest ein Stück Pizza. Ob beim Italiener ums Eck, im Supermarkt, beim Pizza Lieferservice oder in den zahllosen Pizza Fastfoodketten – ein Leben ohne die allseits geliebte Pizza ist für uns alle heute gar nicht mehr vorstellbar.

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Bildquelle: fotolia 134576280, Urheber Artem Shadrin

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